Letzter Versuch?

Selbst machen, wenn das Urlaubsbudget knapp ist.

Wie viele Versuche braucht Mark?

Eine Liebeserklärung an Tempeh.

Inhaltsverzeichnis

Klappentext

Mark versucht Tempeh selbst zu fermentieren. Wieder einmal! Eine Reise nach Südostasien gibt das Weihnachtsbudget nicht her. Trotzdem will er seine Frau überraschen.

Die Veränderung in diesem Versuch: Ein neuer Backofen. Der ruiniert mit siebenunddreißig – statt den versprochenen dreißig – Grad Celsius eine weitere Portion Sojabohnen und Tempehstarter. Die Werbung hat Mark belogen!

Aufgeben? Nein. Mark recherchiert und startet den nächsten Versuch. Dieses Mal mit einer eigenen Idee.

Eine leckere Geschichte in der Küche, bei der das perfekte Weihnachtsgeschenk kreiert wird. Eine Liebeserklärung.

Leseprobe

Es schien, als wäre nicht nur Mark auf das Ergebnis seiner Fermentierung gespannt. Nein. Der Winterwind, der bis gerade vor dem Fenster geheult hatte, schwieg. Genauso wie die Schlagbohrmaschine in der Nachbarwohnung, welche gerade renoviert wurde. Sogar die Spülmaschine legte in ihrem Waschprogramm eine Pause ein.

Alles hielt den Atem an.

Genau wie Mark.

Hatte es dieses Mal funktioniert, frischen Tempeh selbst herzustellen?

Hatte sich der neue, teure Backofen gelohnt, mit dem er die Temperatur bis auf dreißig Grad herunter punktgenau einstellen konnte?

Noch lag die dünne Frischhaltefolie auf der weißen Auflaufform. Der Kunststoff war vollständig mit Wassertröpfchen bedeckt. Mark konnte nicht hineinsehen. Das musste Kondenswasser sein, obwohl er doch für die Belüftung der Sojabohnen Luftlöcher in die Folie gepiekt hatte. Er hatte sogar extra ein Geodreieck dafür benutzt, damit alle Löcher gleichmäßig verteilt waren. Genau drei Komma sieben Zentimeter waren sie alle voneinander entfernt. Ob der Durchmesser der Löcher, gestochen mit einer Stecknadel, zu gering gewesen war?

Bisher hatte kein Versuch Kondenswasser an der Folie produziert. War das gut oder schlecht?

Mark starrte seine Auflaufform an, die sich weiß und hell von dem schwarzen Ceranfeld seines Herdes abhob, auf das er sie gestellt hatte. Er wusste, dass die Form am oberen Rand rundherum braune, eingebrannte Flecken hatte. Ein Überbleibsel vom Lasagne backen, als er sie besonders knusprig hatte haben wollen. Kein Schrubben und Scheuern des Universums hatte diese Flecken mehr sauber bekommen. Nun sah er nichts davon. Die Frischhaltefolie verdeckte alles.

In der Küche um ihn herum war es fast still. Er hörte das leise Summen des Kühlschrankes, genauso wie das Brummen des Backofens, der langsam abkühlte. Außerdem tickte der Sekundenzeiger der Uhr. Sein eigener Atem war schwer und laut in seinen Ohren. Er hatte zu lange die Luft angehalten und atmete jetzt hastig ein.

Es roch nicht gut.

Mark rümpfte die Nase.

Bis gerade war ihm der modrige Geruch noch gar nicht aufgefallen.

Kam er etwa von den Sojabohnen, die er mit dem Edelschimmelpilz geimpft hatte, um per Fermentation Tempeh daraus zu machen?

Langsam beugte Mark sich vor. Zum Glück waren seine Haare raspelkurz, sodass er nicht befürchten musste, dass sie ins Essen fielen. Nicht wie seine Frau Kathy, die wundervolle, lange, schwarze Locken hatte. Er vermisste sie. Gleichzeitig war er froh, dass sie nicht da war. Kathy besuchte dieses Wochenende ihre Freundinnen. Diese freien Wochenenden nutzte Mark für seine Kochexperimente. In diesem Fall für seine Tempeh Pilzzuchtexperimente.

Der modrige, muffige Geruch wurde intensiver, je näher er mit seiner Nase an die Auflaufform kam.

Er runzelte die Stirn, bis seine Muskeln unangenehm zogen.

Das war kein gutes Zeichen!

Mark hob die Frischhaltefolie mit einem leisen Knistern an einer Ecke hoch und riss sie zügig von der Auflaufform herunter.

Es knisterte laut.

Er wollte möglichst kein Kondenswasser auf seinem Tempeh haben.

Einige Wassertropfen spritzten ihm kalt ins Gesicht. Auf seinem Pullover bildeten sie kleine Kreise, die dunkler waren als der Stoff darum herum. Achtlos ließ er die Frischhaltefolie neben dem Ceranfeld ins Spülbecken fallen. Knisternd und raschelnd fiel sie zu einem feuchten Häufchen zerknitterter Frischhaltefolie zusammen.

Mark starrte auf die Sojabohnen in der weißen Auflaufform.

Sie waren nicht mehr hellgelb-weiß, sondern von einer grünen Schicht überzogen, die feine Haare hatte und insgesamt nicht nur pelzig aussah, sondern sich auch beim Darüberstreichen flauschig wie ein feiner Pelz anfühlte.

Er hatte einen Pilz gezüchtet. Wieder war es der Falsche! Tempeh war weiß, nicht grün. Wenn er überreif war und anfing zu blühen, wurde er schwarz. Es war irgendeiner der Schimmelpilze, deren Sporen immer in der Luft herumflogen!

Dabei hatte er doch ganz genau die richtige Temperatur von dreißig Grad Celsius am Backofen eingestellt. Das war auch die Mindesttemperatur, die er am Backofen einstellen konnte.

Er schaute auf das Thermometer, welches er mit in der Auflaufform aus dem Ofen geholt hatte. Es lag am Rand des schwarzen Ceranfeldes. Ein längliches Rechteck aus einer Holzplatte und darauf das schmale Glasröhrchen mit der blauen Flüssigkeit und die Messstriche mit den Temperaturen zum Ablesen.

Siebenunddreißig Grad zeigte die blaue Flüssigkeit in dem schmalen Röhrchen an.

Das war viel zu heiß für die Pilze, die Mark züchten wollte!

Mark schüttelte sich und rümpfte die Nase. Es roch modrig und übel erregend ungesund.

Kein Wunder, dass er bei siebenunddreißig Grad den falschen Pilz gezüchtet hatte. Sein Edelpilz vertrug Hitze nun einmal gar nicht. Selbst wenn er davon ausging, dass die Wärmeleitung in der Backofenluft nicht einhundert Prozent der Temperatur in die Auflaufform hineinbrachte, war es ganz sicher immer noch zu heiß gewesen.

Frustriert über das Ergebnis in der Auflaufform stützte Mark sich an der hellbraunen Kante der Arbeitsplatte auf, in die das Ceranfeld eingebettet war. Er starrte auf die grüne, haarige Schicht, die seine Sojabohnen ekelerregend bedeckte. Dann dachte er an Kathy. Sie freute sich schon darauf, endlich wieder leckeren Tempeh mit ihm gemeinsam zu genießen.

Mark seufzte und dachte an die Rezepte, die er bereits ausprobiert hatte.

Bisher war sein Tempeh immer daran eingegangen, dass es zu kalt gewesen war. Selbst im Sommer mit dreißig Grad in der Küche. Laut den Rezepten sollte es im Hochsommer von ganz alleine funktionieren, mit der Pilzzucht.

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