Erscheint am 11. Dezember 20205
Flammende Gefühle. Tiefgekühlt auf der Eisfläche. Verziert mit romantischen Tanzfiguren. Zwei Männer, die einander und das Eiskunstlaufen lieben. Trauen sie sich, miteinander ehrlich zu reden?
Inhaltsverzeichnis
Cover

Klappentext
Ein Gay-Paar in der Eistanzgruppe?
Unmöglich!
Das verdammt Marcel zum einsamen Single-Dasein.
Marcel liebt zwei Dinge: Eiskunstlauf und Männer. Beides schließt einander aus. Besonders Ulrich, immer von den hübschesten Frauen umschwärmt, bleibt unerreichbar.
Samstagmorgen. Ulrich steht alleine am Rand der Eisfläche.
Mit wem kann er trainieren?
Sein Blick fällt auf Marcel, der einsam Runden fährt und Figuren übt.
Ulrichs Blick klebt an Marcel. Niemand sonst aus ihrer Gruppe trainiert heute. Ulrich gibt der Versuchung nach, endlich mit Marcel zu tanzen. Natürlich nur zu Trainingszwecken.
Marcel träumt. Nur im Traum darf er Ulrich über die Eisfläche führen. Die Kälte des Eises kneift in seine Wangen und die Hitze von Ulrichs Händen hält Marcel warm.
Ulrich darf auf keinen Fall daran denken, wie gut er mit Marcel tanzt. Verrät er sich, bedeutet das den Ausschluss aus der Eistanzgruppe.
Flammende Gefühle. Tiefgekühlt auf der Eisfläche. Verziert mit romantischen Tanzfiguren. Zwei Männer, die einander und das Eiskunstlaufen lieben. Trauen sie sich, miteinander ehrlich zu reden?
Leseprobe
Die Eismaschine fuhr über die raue Fläche der Eishalle. Vor sich schob sie das weiße Schnee-Pulver abgefahrener Eiskristalle von der Fläche. Hinter ihr glänzte, glatt und unversehrt, die frisch aufgetragene Eisbahn. Sie war bereit für die Kufen an Marcels Füßen.
Marcel lauschte mit halbem Ohr der Radiomusik aus den Lautsprechern und den vielen Unterhaltungen um sich herum.
Er war alleine hier. So wie immer. Ohne Begleitung. Ohne Unterhaltung.
Natürlich könnte er versuchen, sich an eine der Grüppchen anzuschließen und sich in die Unterhaltung einzumischen. Aber wozu?
Marcel träumte seit Jahren davon, einen Partner zu finden, mit dem er Eislaufen konnte. Einen Partner, der seine Interessen teilte. Einen Partner, der auch Interesse an ihm als Lebensgefährten hatte.
Das waren hohe Anforderungen. Besonders im Eistanzlauf, bei dem klassischerweise ein Mann mit einer Frau ein Paar bildete. Darum erwähnte er seine Neigung und seine Wünsche in der Trainingsgruppe lieber nicht.
Stattdessen kam er am Wochenende alleine zur Eishalle und trainierte alleine. Meistens die Choreografie für die Damen. Irgendwann hatte er festgestellt, dass ihm diese Kenntnis half, seine Partnerin eleganter über das Eis und durch die Choreografie zu führen.
Evelyn, seine Partnerin beim Eistanzlauf, war eine wunderschöne Frau. Nur interessierte sie ihn außerhalb des Trainings nicht. Ganz im Gegensatz zu Ulrich, der mit Elenia tanzte. Mit ihm würde er gerne seine Freizeit verbringen, seinen trainierten Körper über die Eisfläche führen und anschließend bei einem heißen Bad die Anstrengungen aus den Schultern massieren.
Marcel starrte auf die Eisfläche vor sich. Die Eismaschine fuhr zischend Runde um Runde. Bald müsste sie fertig sein. Inzwischen glänzte mehr als die Hälfte der Bahn glatt und unversehrt.
Der Duft gebratener Pommes stieg Marcel in die Nase. Irgendwer hatte sich am Kiosk der Eishalle Pommes geholt und sich damit neben ihn an den Rand der Eisbahn gestellt.
Er sah zur Seite.
Direkt in die dunkelbraunen Augen von Ulrich, die ihn immer an heiße Schokolade denken ließen. Heiße Schokolade und ein gemütlicher Nachmittag gemeinsam auf der Couch.
Marcel schluckte hart.
Daran sollte er hier nicht denken!
Nicht, wenn Ulrich neben ihm stand. Das waren Gedanken für nächtliche Träume, wenn er alleine in seinem Bett lag. Obwohl er Jeans trug, wusste er nicht, ob man ihm seine Gedanken nicht doch ansehen konnte, wenn er sie weiter verfolgte.
»Hallo Marcel«, sagte Ulrich und biss von einem Pommes ab. »Auch hier, um zu trainieren? Der Trainer war letzte Woche echt streng.«
Marcel nickte. Dann schüttelte er den Kopf.
Natürlich übte er die Choreografie. Immer. Aber darum war er nicht hier. Ebenso wenig, weil der Trainer vergangene Woche strenger als sonst gewesen war.
Er war hier, weil es zu Hause in seiner Zweizimmerwohnung einsam war. Eine ständige Erinnerung, an den fehlenden Partner in seinem Leben. Hier auf der Eisbahn war er wenigstens nicht alleine.
Zumindest konnte er sich das einbilden.
»Hallo Ulrich«, sagte Marcel und war stolz auf sich selbst, weil seine Stimme normal klang. »Ist Elenia noch beim Schlittschuhe anziehen?«
Bisher hatte er Ulrich nie zum zusätzlichen Üben hier getroffen. Ganz sicher würde er nicht ohne seine Schwester herkommen.
»Elenia hat sich mit einer Freundin verabredet und kann nicht«, sagte Ulrich und steckte sich die nächsten Pommes in den Mund.
Marcel starrte auf Ulrichs schmale Lippen, die er zu gerne geküsst hätte.
»Magst du?«, fragte Ulrich und hielt Marcel die Tüte hin.
Marcel nickte und nahm sich eine lauwarme Kartoffelstange. Sie war viel zu salzig und gleichzeitig nicht mehr knusprig. Dafür war sie von Ulrich, neben dem er stehen konnte, und reden.
Wie immer über Belanglosigkeiten.
»Du übst doch immer zusätzlich die Choreografien der Frauen, willst du heute mit mir trainieren?«, fragte Ulrich, steckte die letzten Pommes in den Mund und knüllte die leere Papiertüte zusammen.
Marcel bekam kein Wort heraus.
Hatte Ulrich ihn gefragt, ob er mit ihm zusammen auf dem Eis tanzen wollte?
Ulrich drehte sich weg und stapfte auf seinen Schlittschuhen über den mit Gummimatten ausgelegten Boden zum nächsten Mülleimer.
Marcel schüttelte den Kopf.
Natürlich hatte Ulrich ihn nicht gefragt, weil er ihn so gerne mochte. Er war da und konnte die Choreografie.
Er übte die Schrittfolge der Damen. Sie zu wissen war hilfreich für seine eigenen Schritte. Wie sich heute zeigte, war es hilfreich, um mit Ulrich tanzen zu dürfen.
Ein Lächeln breitete sich auf Marcels Gesicht aus, bis seine Muskeln davonzogen.
»Wollen wir?«, fragte Ulrich, als er wieder vor Marcel stand.
Marcel sah aus den Augenwinkeln, dass die Eismaschine von der Fläche fuhr und ein Mitarbeiter der Eishalle den Zugang für die Schlittschuhläufer freigab.
»Gerne«, murmelte Marcel.
Gemeinsam gingen sie aufs Eis und glitten in die Mitte, in der noch niemand war. Die Mehrheit der Schlittschuhläufer drehte außen auf der Bahn Runden.
Ulrich hob seine Arme und Marcel legte seine Hände in Ulrichs. Durch die Handschuhe hindurch, die sie beide trugen, konnte er nicht viel spüren. Trotzdem hüpfte sein Herz ein kleines bisschen schneller in seiner Brust.
So nahe war er Ulrich noch nie gekommen. Nebeneinander sitzend sich umziehen zählte in seinen Augen nicht.
Die Musik aus den Lautsprechern passte nicht zur Choreografie, aber die konnte er ausblenden. So wie alles, wenn er in Ulrichs warmen, braunen Augen sah.
»Aufwärmen zuerst«, sagte Ulrich und führte Marcel durch die Grundfiguren des Eistanzens.
Marcel musste sich konzentrieren. Auf sich und seine Schlittschuhe.
Es war ein Unterschied, ob er alleine die Choreografie der Damen übte, oder ob er von einem Partner geführt wurde. Er war noch nie von einem Mann geführt worden. Ob Ulrich ihm dafür im Bett die Führung überlassen würde?
Hastig verdrängte Marcel den Gedanken aus seinem Kopf. So weit würde es nie kommen! Schließlich kommentierte Ulrich immer die Figuren der Frauen und erzählte davon, wie seine Traumfrau aussehen müsste.
Gemeinsam drehten sie kleine Runden in der Mitte. Sie tanzten durch die Grundfiguren, bis sie sich aufeinander eingestimmt hatten.
»Jetzt habe ich es raus«, sagte Marcel und zwinkerte Ulrich zu. »Deine Führung kommt immer einen Tick später, als ich es erwarte. Nachdem ich es weiß, kann ich damit arbeiten.«
Ulrichs Wangen färbten sich leicht rosa. Sicher wegen der Kälte auf dem Eis und der Bewegung.
»Das sagt Elenia auch«, gab Ulrich zu und seufzte. »Machen wir uns an die Choreografie.«
Marcel hob eine Augenbraue. Ulrich klang nicht so begeistert vom Eistanzen, wie er sich im Training gab.
»Hat Elenia dich gezwungen, heute trainieren zu gehen?«, fragte Marcel vorsichtig und legte seine Hand wieder auf Ulrichs ausgestreckte Hand.
Ulrich nickte und führte Marcel dann schweigend in die ersten Schritte der neuen Choreografie.
Marcel musste sich konzentrieren.
Das Eis unter den Kufen seiner Schlittschuhe war glatt, die Choreografie neu, und er konnte die Schritte nicht so intuitiv, wie die Grundfiguren, die sie zum Aufwärmen abgelaufen waren. Jetzt wurden die späten Führungssignale von Ulrich zu einer Herausforderung.
Gemeinsam schlitterten und stolperten sie durch die Schrittfolgen. Es gab zu viele Fehler für Marcels Geschmack. Trotzdem klatschten am Ende ein paar der Schlittschuhläufer Applaus.
Marcel hatte nicht mitbekommen, dass Leute stehen geblieben waren, um ihnen zuzusehen.
»Das war gut«, sagte Ulrich. »Lass uns Pause machen.«
»Wir können die Choreografie gerne wiederholen«, sagte Marcel.
Er wollte sich nicht mit so vielen Fehlern zufriedengeben. Außerdem wollte er weiter mit Ulrich über das Eis gleiten.
Trotz der Fehler hatte er sich in Ulrichs Armen wohlgefühlt. Ulrich hatte sich mit seinen warmen, braunen Augen auf ihn konzentriert und ihn mehrmals angelächelt. Da konnte er jeden Fehler in der Führung und Schrittfolge vergessen. Besonders, weil sie normalerweise nicht zusammen tanzten.
Ulrich winkte ab.
»Lass es gut sein. Ich weiß, dass ich eine katastrophale Führung hingelegt habe und noch mehr Fehler gelaufen bin.«
Marcel legte einen Arm um Ulrichs Schultern, um ihn aufzumuntern und um ihm nahe zu sein. So deprimiert hatte er ihn noch nie gesehen. Mit leeren Floskeln, wie »Übung macht den Meister« wollte er Ulrich nicht kommen.
»Sollen wir die Positionen tauschen? Vielleicht hilft dir die andere Perspektive?«, fragte Marcel.
Ulrich zu führen, war ein heimlicher Traum von Marcel. Er würde ihn in Versuchung führen und …
Marcel rief sich und seine Gedanken zur Ordnung.
Darum ging es hier nicht, und wenn er es sich noch so sehr wünschte. Auf dem Eis ging es um die Choreografie, die sie für die Weihnachtsaufführung der Eistanzgruppe einübten.
Er seufzte. So wie es auf dem Eis immer um die Show ging und nie um seine echten Gefühle.
Kurz dachte Marcel an Evelyn. Er hatte Glück mit seiner Eistanzpartnerin. Sie schien sich, abseits der Tanzfläche, aus ihm genauso wenig zu machen, wie er sich aus ihr machte. Er hatte genügend Paare gesehen, bei denen ein Teil des Paares auf eine tiefere Beziehung hoffte.
So wie es ihm mit Ulrich erging.
Marcel ermahnte sich in Gedanken zur Konzentration.
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