Tempeh, der Zauberpilz

Eine Science Fiction Kurzgeschichte. Aliens, die im Wasser leben.

Inhaltsverzeichnis

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Tempeh der Zauberpilz
Tempeh der Zauberpilz

Klappentext

Lizzik schwebt und treibt in ihrem Raumboot durch den Golfstrom. Seit zwei Sonnenumrundungen hängt sie auf dem vierten Planeten am Ende des Spiralarmes dieser Galaxie fest.

Sie liest den letzten Forschungsbericht. Ein neuer Fehlschlag. In einer langen Reihe von Fehlschlägen.

Lizzik suspendiert die Forscher vom Dienst. Aber wer soll jetzt herausfinden, wie sie für ihr Volk, den heiligen, lebensrettenden Tempeh, den diese dummen Zellhaufen fressen, statt zu verehren, selbst herstellen können?

Eine Science Fiction Kurzgeschichte. Aliens, die im Wasser leben.

Leseprobe

Das Raumboot schaukelte unter Wasser im Golfstrom dahin. Seit zwei Sonnenumkreisungen schaukelte das Raumboot und seine Bewohner mit dem Golfstrom durch die Weltmeere des vierten Planeten um diese Sonne im äußeren Spiralarm dieser Spiralgalaxie. Dem einzigen Planeten, auf dem die Krizzizza bisher lebende Zellhaufen gefunden hatten. Nebst ihrem eigenen Heimatplaneten, selbstredend. Und natürlich kein bisschen intelligent. Trotzdem trieben sie in den Weltmeeren dieses Planeten herum und warteten.

Worauf warteten sie nochmal?

Lizzik starrte auf die Anzeige, die vor ihren Augen schwebte und immer in ihrem Blickfeld blieb. Ganz automatisch. Die Ergebnisse der letzten Forschungsreihe aus dem Labor scrollte durch ihr Blickfeld.

Schnell.

Es gab keinen Grund langsam zu lesen.

Keine Farbmarkierung deutete auf lesenswerte Ergebnisse hin.

Blauer Text auf blauem Hintergrund.

Nichts Neues.

Das Experiment fehlgeschlagen.

Die Pilze waren eingegangen. Wieder.

Ohne Sporen zu bilden.

Mist.

Lizzik hatte nicht die geringste Lust, diesen neuen Fehlschlag nach Hause zu berichten. Viel lieber würde sie endlich aus diesem blauen Wasser auftauchen, die Salzkruste vom Raumboot fräsen lassen und aus diesem Spiralarm für immer und ewig verschwinden.

Wenigstens hatten ihre drei Schwestern noch keinen Erfolg vermeldet. Davon hätte sie gehört. Spätestens beim Befehl zurückzukehren.

Lizzik erinnerte sich daran, wie sie sich von ihren Schwestern verabschiedet hatte. Sie hatte Stöckchen ziehen vorgeschlagen, um auszulosen, wer den vielversprechendsten Zielort bekam. Mit ein bisschen Tricksen hatte sie gewonnen. Und nun schwankte und trudelte sie hier herum. Gut versteckt vor diesen wandelnden Zellhaufen dummer Selbstzerstörung und ihre Wissenschaftler produzierten einen Fehlschlag nach dem anderen.

Diese Pilzkulturen auf den gekochten Sojabohnen sollten doch angeblich so resistent sein und überall gedeihen. Warum also überall, nur nicht in ihrem Raumboot?

Zu Hause brauchten sie den Zauberpilz, um eine Seuche zu heilen, die trotz bester medizinischer Versorgung und sorgfältiger Isolation jedes Infizierten, nicht in den Griff zu bekommen war. Eine Seuche, die sich über Steine weiterverbreitete und Türen genauso überwand, wie Stahlmauern.

Auf diesem vierten Planeten gedieh der Pilz prächtig. Diese dummen Zellhaufen impften damit ihre gekochten Sojabohnen, wärmten ihn ein paar Tage und fraßen ihn dann auf. Statt den Pilz wachsen und blühen zu lassen. Diese Barbaren. Zu allem Überfluss nannten sie das Essen auch noch Tempeh, nach der Göttin im Schöpfungsmythos der Krizzizza. Tempeh, die das Leben erschaffen und ihnen die Intelligenz zum Forschen geschenkt hatte.

Sicherlich hatte sie auch den Zauberpilz auf diesem Planeten erschaffen. Nur warum sie sich bei diesen Zellhaufen keine Mühe gegeben hatte, war Lizzik unbegreiflich. Die würdigten diese Ehre kein bisschen. Sie fraßen den Pilz einfach auf.

Angeekelt von diesem widerlichen, gottesverachtenden Gedanken, stoppte Lizzik den Forschungsbericht.

Sie würde nicht weiter hier schaukeln und treiben und warten. Sie würden den Forschern ihre Ration Schwefelsäure streichen, um sie angemessen zu motivieren.

Lächelnd schwamm sie mit fließenden Bewegungen durch das Raumboot, stieß sich an den Kurven ab, wechselte ein paar Mal die Richtung und schob den Vorhang beiseite. Die zwei Forscher sahen sie aus zwei Stielaugen an, während sie mit ihren anderen beiden Stielaugen weiter auf den Forschungstisch schauten. Darauf stand rundes Gefäß, in dem braune Bohnenstücke schwammen und sonst nichts.

Sie hielt neben dem Mikrofon an, dass die beiden zum Aufzeichnen ihrer Ergebnisse benutzten. Es war eingeschaltet.

»Versager!«, sagte Lizzik. »Eure Ration Schwefelsäure ist gestrichen.«

Die beiden starrten sie jetzt aus allen vier Augen an.

»Bis wir Tempeh selbst züchten können. Derjenige Krizzizza, der es schafft, bekommt den bis dahin aufgelaufenen Vorrat als Preis.«

Lizzik tippte neben dem Mikrofon auf die verschiedenen Knöpfe.

»Meine Anweisungen an alle Krizzizzas auf dem Raumboot verteilen«, sagte Lizzik.

Die Forscher ihr gegenüber versanken mit verdrehten Augen hinter ihrem Tisch.

Lizzik fühlte sich leer.

Die beiden hatten sich nicht einmal gewehrt.

Nicht so wie ihre Schwestern, die ihr Betrug beim Stöckchen ziehen vorgeworfen und Rache versprochen hatten.

Moment. Konnte das die Rache ihrer Schwestern sein? Hatten diese, durch ihre Gebete, die Ungnade von Göttin Tempeh auf sie und ihr Raumboot herunterbeschworen?

Lizzik rieselte es heiß durch die Augenstiele.

Das konnte nicht sein.

Sie würde sich nicht durch einen göttlichen Fluch aufhalten lassen. Göttlicher Aberglaube war etwas für die einfachen Bewohner ihres Volkes, nicht für Raumbootführerinnen wie sie!

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