Schmetterling und feurige Klimmzüge




Die Klimmzugstange glüht unter Alexanders Händen.

Schmilzt sie gleich?

Seine Muskeln protestieren gegen sein Gewicht.

Der Wetterbericht behauptet, dieser Juniabend hätte nur siebenunddreißig Grad Celsius.

Es fühlt sich nach fünfzig Grad Celsius an.

Inhaltsverzeichnis

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Der Vertrag mit dem Algorithmus – Science Fiction Kurzgeschichte

Klappentext

Die Klimmzugstange glüht unter Alexanders Händen. Schmilzt sie gleich? Seine Muskeln protestieren gegen sein Gewicht. Der Wetterbericht behauptet, dieser Juniabend hätte nur siebenunddreißig Grad Celsius. Es fühlt sich nach fünfzig Grad Celsius an.

Pause.

Alexander betrachtet die blühenden Lavendelsträucher am Rand des Callistenic-Parks. Unbeeindruckt von der Hitze gaukelt ein außergewöhnlich gefärbter Schmetterling von Blüte zu Blüte. Und dann zu Alexander.

Er setzt sich zwischen Alexanders Händen auf die heiße Klimmzugstange. Menschen kümmern den Schmetterling offensichtlich so wenig, wie die Hitze.

Slice-of-Life Kurzgeschichte mit gestaltwandelnden Schmetterlingen. Sie könnte an einem heißen Juniabend auch dir passieren. Oder?

Leseprobe

Die roten Streifen auf den filigranen, flatternden Flügeln endeten in roten Punkten. Der Schmetterling flatterte so schnell von einer lilafarbenen Lavendelblüte zur nächsten, dass Alexander seit mindestens fünf Minuten nichts anderes tat, als ihm dabei zuzusehen. Abgesehen davon, dass er sich an der heißen Klimmzugstange festhielt.

Schon flatterte der Schmetterling mit dem ausgefallenen, rot gestreiften Flügelmuster weiter zur nächsten lila Blüte, einen Lavendelbusch weiter. Lautlos, wie Schmetterlinge es tun, und so elegant, als würde er durch die Luft tanzen oder auf dem Wind schweben. Da es keinen Wind gab, nicht einmal den Hauch eines Lüftchens, tanzte der Schmetterling eher. Wie ein Tänzer, der sich nicht entscheiden konnte, welche Blüte, welcher Teil eines großen Saales, ihm am besten gefiel.

Der schwere, süße Duft der lila Lavendelblüten füllte die heiße Luft des Juniabends. Die Sonne brannte, obwohl es weit nach sechs Uhr abends war, immer noch heiß vom Himmel. Das Gras war braun und dürr, weil es länger nicht mehr geregnet hatte. Es roch nicht mehr nach Heu. Nur der süße, schwere Lavendelduft lag in der Luft. Er erinnerte Alexander an seine Kindheit. Im Sommer, wenn er seine Großeltern besuchte und durch ihren Garten mit den langen Reihen von Lavendelbüschen gestreift war, hatte es genauso süß geduftet. Oft hatte er nach einem wilden Nachmittag des Herumtobens zwischen den Lavendelbüschen im Gras gelegen, an den blauen Himmel geschaut und die Schmetterlinge beobachtet, die über seinem Gesicht vorbeigetänzelt waren.

Der Unterschied zu damals: Heute mischte sich der verschwitzte, salzige Geruch von Menschenhaut mit hinein. Nur leicht, aber genug, dass Alexander es riechen konnte.

Sein eigener Geruch, wie er in der Sonne geröstet wurde und trotzdem mit dem Sport weitermachte. Mindestens ebenso verrückt, wie die Schmetterlinge elegant.

Schließlich hing Alexander noch an der Klimmzugstange und beobachtete, wie der rot gestreifte Schmetterling mit den roten Punkten auf den Flügeln, von lila Blüte zu lila Blüte schwebte und tanzte.

Seine Arme brannten, seine Handflächen schwitzten. Perlen von Schweiß liefen ihm unter dem T-Shirt über den Rücken und die Brust, bis in den Gummibund seiner kurzen Hose. Es wehte kein einziges Lüftchen, welches die kleinste Art von Abkühlung hätte bringen können.

Was hatte der Wetterbericht gesagt? Fiebertemperaturen von siebenunddreißig Grad am Abend mit Sonnenbrandgefahr?

Nach Alexanders Meinung war es sehr viel heißer.

Hätte er sich nicht für ein Sportevent bei der Arbeit angemeldet, würde er, wie der Rest der Stadt, in einem der städtischen Freibäder im Wasser schwimmen, oder unter einer der ausladenden Baumkronen auf einer Liegewiese im Schatten liegen und ein Eis schlecken. Aber er liebte Herausforderungen. Ganz besonders zogen ihn verrückte Herausforderungen an, wie er festgestellt hatte, als er das Anmeldeformular für das Sportevent ausgefüllt hatte.

Trotzdem dachte Alexander nicht an den Sieg, sondern an ein kaltes Eis oder das kühle Nass eines Schwimmbeckens. Sofort fühlte sich die Temperatur um ihn herum viel feuriger an.

Einzig der seltsam gefärbte Schmetterling schien sich nicht daran zu stören. Genauso wenig, wie der Lavendel, der in voller Blüte stand und von den Wochen ohne Regen scheinbar nicht betroffen war. Vermutlich hatte er tiefere Wurzeln als die Grashalme.

Alexander spürte, wie seine Handflächen feuchter wurden und langsam über das heiße Metall der Klimmzugstange rutschten.

Er packte fester zu und stoppte das Rutschen.

Vorerst.

Wenigstens, solange er sich darauf konzentrierte, sich an der Stange festzuhalten, die immer heißer wurde. Er sollte sich beeilen, bevor er sich die Finger daran verbrannte!

Seine Muskeln in den Schultern und Oberarmen begannen zu brennen.

Als ob sie darauf gewartet hätten, dass er seine Aufmerksamkeit weg vom Schmetterling, zurück auf sich selbst richtete. Schließlich hatte er bereits drei Wiederholungen zu fünf Klimmzügen gemacht. Wenn man die halben Klimmzüge, die er ausführen konnte, so nennen durfte.

Alexander seufzte, löste seine Finger von der Stange und landete mit einem dumpfen Stampfen seiner Turnschuhsohlen auf den harten, ausgetrockneten Hackschnitzeln, die ein wenig nachgaben und seine Landung abfederten. Von einem Sieg bei der sportlichen Herausforderung war er weit entfernt. Noch konnte er keinen einzigen Klimmzug.

Es war eine Landung, die er in seinen Füßen, in seinen Knien und seinen Hüftgelenken spürte. Er war nicht sportlich.

Bisher.

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