Wieder dem Traum

Wieder dem Traum - Kurzgeschichte von Topaz Hauyn - Fanasy, Sandmann
Wieder dem Traum

Diese Kurzgeschichte entstand im Januar 2020 auf die Schreibkick Inspiration von Sabi Lianne. Das Thema war „Nachtlicht“. Viel Freude beim Lesen.

Wieder dem Traum

von Topaz Hauyn

Wohin jetzt?

Der Vollmond beleuchtete die Stadt genauso wie die gelb glühenden Straßenlaternen der Menschen. Viel zu hell waren sie aus seiner Sicht. Unnötig. Alle Menschen schliefen.

Gedanklich hakte Zapos Sandmann diese Stadt auf seiner wiederkehrenden Liste ab.

Er seufzte. Eine langweilige Stadt.

Sein fliegender, bunt geknüpfter Teppich war eine gute Wahl für diese Nacht über der Wüstenregion. Er war weich, stabil und wendig.

Am Horizont leuchteten die Lichter der nächsten Stadt. Weit genug weg, dass man sie bei Tageslicht nicht sehen konnte, auch nicht von hier oben. Aber bei Nacht reichte das Licht überallhin.

Jede Nacht der gleiche Rhythmus.

Er gähnte.

Die einzige Neuheit und Unterbrechung waren neue Menschen. Kleine Menschen, die noch nicht reden konnten, die noch nicht selbst gehen oder krabbeln konnten. Weiche, süß duftende, kleine Menschen. Sie glucksten mit ihm, spielten mit ihm wenn er kam und ließen sich von den Traumperlen, die die Menschen Schlafsand nannten, nicht verwirren.

Der Teppich schwebte höher und höher, bis die Stadt unter Zapos nur noch ein Lichtpunkt war. Dann sauste er in Richtung des nächsten Lichtpunktes. Dort schwebte er tiefer, bis auf die Höhe des höchsten Gebäudes.

Zapos nahm seinen Rucksack mit den Traumperlen auf den Rücken und arbeitete sich durch die Stadt. Ein Haus nach dem anderen. Jedes Schlafzimmer, jeder Mensch. Überall verteilte er Traumperlen und brachte den Schlaf, den die Menschen, genau wie alle anderen Tiere, brauchten.

Eine wichtige Aufgabe.

Eine Aufgabe die Zapos mit jedem Jahrzehnt mehr langweilte.

„Hallo Zapos“, piepste Mino Sandmann unter einem Treppenspalt hervor.

Endlich eine Unterbrechung.

Zapos ging vor dem Treppenspalt in die Knie. Seine weite Hose bauschte sich, seine Weste mit den vielen aufgestickten Perlen knirschte leise. Er sah ein paar schwarz glänzender Augen und eine spitze, hellgraue Nase die schnuppernd in seine Richtung gedreht war.

„Guten Abend, Mino“, sagte Zapos und tippte an seine spitze Mütze. „So spät noch hier?“

Zapos streckte seine Hand aus, ein Angebot darauf zu krabbeln.

Mino kam aus dem Spalt hervor und trippelte in Zapos Handfläche.

Die kleinen Füße kitzelten ein bisschen auf seiner Haut.

„Die Mäuse sind viel zu aufgeregt zum Schlafen, ich muss sie erst einmal beruhigen“, sagte Mino, „die Menschen haben wiedereinmal Chaos angerichtet.“

Zapos seufzte.

Diese Klage hörte er von fast allen seinen Kollegen. Regelmäßig. Ändern konnte er es nicht. Dabei versuchte er es. Er ließ Träume über die Erlebnisse der Tiere in die Traumperlen legen und verteilte sie an die Menschen. Eigentlich müssten sie wissen, was sie all den Tieren mit denen sie zusammen lebten antaten.

Einmal hatte er sogar Handlungsanweisungen in seine Traumperlen verpacken lassen. Die Handwerker in der Traumperlenmanufaktur hatten sich für die Herausforderung bedankt.

Es hatte nichts geholfen.

„Ich weiß“, sagte Zapos, „ich habe schon alles probiert. Wenn du eine gute Idee hast, lass es mich wissen.“

Mino nickte.

Zappo setzte ihn zurück auf die Treppenstufe mit dem Spalt. Warme, nach altem Fett riechende Luft strömte daraus hervor.

Beide verabschiedeten sich und Zappo ging weiter.

Zurück auf seinem fliegenden Teppich fragte er sich immer noch, was er tun könnte um Mino und all seinen Kollegen zu helfen.

Der Teppich flog weiter. Ein Zickzack nach Norden und Süden, immer in westlicher Richtung der Abenddämmerung folgend. Nur auf der Insel mit der Traumperlenmanufaktur machte Zapos eine längere Pause.

*

Der weiche, mit Decken gepolsterte Sessel in der goldgelb gestrichenen Kantine bot Zapos die Möglichkeit sich zurückzulehnen und zu entspannen. Die Essensausgabe am anderen Ende des Raumes war leer und aufgeräumt. Sein Bauch war warm und voll von den gestampften Kartoffeln mit Petersilie und heißen Himbeeren. Seine Schuhe standen auf dem gestampften Erdboden. Seine nackten Füße lagen auf einem, gleichfalls mit goldgelben Kissen gepolsterten, Schemel.

Er trank dampfende Schlindo aus einem hohen Glas. Auf einem goldenen Teller lagen noch Reste von süßen Äpfeln und Birnen. Zum Naschen, falls doch noch ein Plätzchen in seinem Bauch auftauchte. Seine Lieblingsfrüchte.

Die Tür zur Kantine wurde aufgerissen.

Und zugeschlagen.

Frische Nachtluft und der salzige Duft von Meerwasser wehten durch den Raum.

„He Zapos, hast du die Menschen immer noch nicht unter deine Kontrolle gebracht!“, rief der spitzohrige Elf Xinti und stampfte von der Eingangstür herüber.

Zapos stellte seine heiße Schlindo auf den Tisch, neben den Teller mit Äpfeln und faltete seine Hände über dem runden Bauch. Vielleicht sollte er einmal anfangen mit Sport? Viele seiner Kleider begannen am Bauch zu zwicken.

„Also?“ Xinti stand vor Zapos, die Arme in die Seiten gestützt und die Augen zu Schlitzen verengt.

„Meine Elfen trauen sich nicht mehr aus ihren Häuser, wegen deinen Menschen. Vorausgesetzt sie haben überhaupt noch ein Zuhause!“

Was sollte Zapos dazu sagen? Er war für die Träume zuständig, nicht für die Handlungen der Menschen. Im Gegensatz zu allen seinen Kollegen konnte Zapos nicht mit seinen Lebewesen reden. Entweder sie waren wach und bemerkten ihn nicht, oder sie schliefen, oder sie waren zu klein um etwas zu verändern. Wohingegen alle anderen Lebewesen ihre Sandmänner sehen, verstehen und mit ihnen reden konnten.

Eine Ungerechtigkeit.

Ganz besonders wenn Xinti und andere sich erdreisteten ihm einen Vorwurf daraus zu machen. Für etwas, auf das er keinen Einfluss hatte.

Zapos griff nach der heißen Schlindo und stürzte sie in einem Zug hinunter. Seine Kehle brannte.

Er hustete.

„Nichts, Xinti, ich mache nichts“, sagte Zapos. „Du weißt, dass ich nichts tun kann. Lass mich in Ruhe.“

Zapos winkte ab, als Xinti wieder den Mund aufmachte, um weiter zu reden.

„Lass gut sein. Ich will es nicht hören.“

Zapos Bauch war zu voll. Er war müde. Die Uhr an seinem Handgelenk klopfte. Zeit weiterzugehen und Traumperlen zu verteilen. Er hievte sich aus seinem weichen Sessel hoch, schlüpfte in seine Stiefel und schob sich an Xinti vorbei. Am Eingang stand bereits sein, wieder prall gefüllter, Rucksack.

*

Zapos saß auf seinem Teppich. Die Dämmerung durch die er flog war mild und warm um den Äquator herum. Der Bund seiner Hose spannte. Sein Rucksack war voll und schwer. Mit jedem Traum, den er herausholte wurde der Rucksack leichter und seine Verwunderung größter. Jede Traumperle die er heute verteilte enthielt eine Handlungsanweisung. Die Mitarbeiter in der Traumperlenmanufaktur waren inzwischen so geübt darin, dass er sogar von außen sehen konnte, welche Anweisung darin enthalten war.

„Küsse deinen Ehemann“, „Nimm deine Kinder in den Arm und spiele mit ihnen“, „Ruf deinen kranken Vater an und lade ihn zum Mittagessen ein“ war in die einen verpackt. Diese Anweisungen zielten auf das Mitgefühl der Menschen ab. Wer seine Familie gut behandelte und von ihr gut behandelt wurde, der würde, hoffentlich, auch die anderen Lebewesen gut behandeln. So oder so ähnlich hatte Zapos die Erklärung von Respekto, dem Meister in der Traumperlenmanufaktur, verstanden.

Vor dem dunklen Fenster einer jungen Frau blieb Zapos in der Luft stehen.

Der Rollladen war heruntergelassen. Das Fenster geschlossen. Nichts ungewöhnliches. Kein Hindernis für ihn. Er konnte die Traumperle überall hindurch reichen. Die Handlungsanweisung in der Traumperle unterschied sich von allen anderen.

„Starte eine Umweltrevolution.

Was für eine Aufgabe für eine junge Frau. Konnte sie das überhaupt schaffen? War sie nicht zu jung, zu schwach und zu angreifbar für so eine Aufgabe? Sicher war diese Anweisung für einen Mann, der ein paar Jahre älter und kräftiger war.

Zapos kratzte sich am Kinn. Er schaute an der nachtgrauen Fassade hinauf zum Himmel. Sterne waren, wie so oft in den Städten, keine zu sehen. Von unten reichte das fahle Licht der Straßenlaternen herauf. Zu wenig für wirkliche Helligkeit, zu viel um die Dunkelheit der Nacht zuzulassen.

Zapos steckte die Perle in die Tasche seiner weiten Hose.

Sicherlich hatte einer von Respektos Mitarbeitern einen Fehler gemacht. Eine Nacht lang würde die junge Frau auch ohne einen Traum schlafen können.

Der Rucksack auf Zapos Rücken wurde leichter. Seine Verwunderung über den Inhalt der Traumperlen wuchs. Er hatte sich wohl schon länger eine Abwechslung von der monotonen Langeweile gewünscht. Allerdings hatte er es sich nicht so vorgestellt, dass er plötzlich die Träume auf fehlerhafte Zuordnung prüfen musste. Es war ermüdend jede Anweisung zu prüfen bevor er sie verteilte. Es machte ihn langsamer als sonst. Zeit die ihm bei seinem Essen nachher fehlte. Trotzdem las er weiter jede Traumperle, bevor er sie der Schläferin zustellte.

„Kaue dein Essen zu Brei“, „Iss Obst und Gemüse“, „Trink Wasser statt Wein“ und ähnliche Anweisungen häuften sich.

Was sollte das werden? Er musste unbedingt mit Respektos reden. Träume waren nicht dazu da die Kontrolle über die Menschen zu übernehmen. Oder sollte er in Zukunft auch noch Wunschzettel für Verhaltensänderungen einsammeln? Sorgfältig beschriftet und auf dem Kopfkissen liegend?

Zapos rümpfte die Nase. Er wurde zu Alt für diese Aufgabe. Vielleicht war es besser zu kündigen und die Menschen sich selbst zu überlassen?

*

Flammen zischten fauchend aus den kleinen Schläuchen die an jedem Tisch entlang der Wand montiert waren. Die Fenster waren geschlossen, darüber hingen hell leuchtende Lampen. Vor jedem Tisch saß ein Lebewesen. Elf, Gnom, Maus, Hund, Eule, Reh, … alle waren sie da. Nur kein Mensch.

An jedem Platz wurden Traumperlen gefertigt. Im Feuer erhitzt, gerundet und mit Anweisungen versehen. Mit einem leisen Klappern wurden sie in die weißen Beutel gelegt, an denen die fertigen Träume gesammelt wurden, bevor sie in Zapos Rucksack kamen.

Zapos blieb im Türrahmen stehen und sah sich um. Überall standen die weißen Beutel mit der Markierung für Menschenträume auf den Arbeitstischen.

Wer machte die Traumperlen für die Elfen, Mäuse oder Hunde, wenn alle hier an den Träumen für die Menschen arbeiteten?

Zapos zog die Augenbrauen hoch.

Die warme Luft aus der Werkstatt strömte an seinem Kopf vorbei ins Freie. Seine Füße waren kühl. Die Meeresbrise rauschte in den Raum hinein.

„Mach die Türe zu. Es zieht“, sagte eine Stimme, ohne dass Zapos sagen konnte von welchem Tisch es kam. „Und das Feuer wird zu kalt.“

„Komm weg von der Tür“, sagte Respekto.

Dicke Arme, die zu einem großen Schatten gehörten, schoben Zapos zur Seite und die Türe quietschend ins Schloss.

„Was machst du hier? Du solltest in der Kantine sitzen, essen und dich erholen“, sagte Respekto. Seine Stimme grollte wie die Wellen am Strand wenn sie gegen die Felsen prallten.

Gute Frage. Was wollte er hier? Zapos kratzte sich am Kinn. Er atmete den Duft von Feuer ein und lauschte dem Fauchen der Flammen. Auf der Speisekarte in der Kantine stand heute Brokkoli-Risotto mit gerösteten Tofuwürfeln. Eines seiner Lieblingsessen. Statt es zu genießen stand er hier und ließ sich von Respekto ausfragen.

Zapos steckte seine Hände in die tiefen Taschen seiner weiten Hose. Mit den Fingerspitzen berührte er die Traumperle, die er nicht verteilt hatte. Eigentlich ging es ihn nichts an, welche Anweisungen darin waren. Eigentlich brauchte er nicht nachzufragen. Tatsächlich war ihm immer noch zu langweilig. Hierher zukommen war eine willkommene Ablenken und eine Flucht vor der nächsten Anschuldigung eines Kollegen.

„Da war eine seltsame Traumperle in der letzten Lieferung.“

Zapos holte die Traumperle aus der Tasche und hielt sie, auf seiner offenen Handfläche, Respekto vor die Brust. Höher konnte er sie nicht halten. Der Meister der Manufaktur war einfach zu groß für ihn. Die Traumperle schimmerte wachs weiß, wie der volle Mond, der manchmal am Nachthimmel stand. Heute war er bereits ein eingedellter, abnehmender Mond.

Respekto bückte sich und betrachtete die Anweisung in der Traumperle. Er roch nach Erde und frisch gepflückten Tomaten aus dem Gemüsegarten der Insel. Er zuckte mit den Schultern und richtete sich wieder auf.

„Ich kann keinen Fehler entdecken“, sagte Respekto. „Liefer sie aus, ich streiche die Perle für heute Nacht von der Packliste.“

„Aber“, sagte Zapos, „ich liefere doch keine politischen Anweisungen aus!“

Respekto grinste. Mit seinen großen Fingern schloss er Zappos Hand um die kleine, wachs weiße Traumperle.

„Jetzt schon, Zapos“, sagte Respekto. „Xinti und Mino haben die Idee präsentiert und der Chef hat zugestimmt. Solange die Menschen sich nicht selbst in den Griff bekommen und anständig verhalten, solange wirst du auch politische Anweisungen ausliefern.“

Sie hatten hinter seinem Rücken einen Komplott gegründet!

Xinti hätte Zapos das zugetraut. Bei Mino hatte er mehr Respekt erwartet. Wenigstens eine kleine Warnung oder ein Hinweis. Schließlich unterhielten sie sich häufiger miteinander.

Respekto griff sich einen Beutel mit fertigen Traumperlen vom Arbeitsplatz hinter sich. Er zog das Band auf und kippte ein paar auf seine Handfläche. Leises klickten die Perlen aneinander. Kaum das es über das Fauchen der Flammen zu hören war.

„Schau“, sagte Respekto und hielt sie Zapos vor die Augen, „in allen ist eine Handlung enthalten.“

Zapos las.

„Unterstütze die Umweltrevolution“, „Ändere die Politik“, „Überzeuge deine Nachbarn von den Gefühlen der Tiere“, „Mach aus den leeren Zimmern deines Hauses WG-Zimmer“.

Zapos schluckte. Das waren viel deutlichere Anweisungen wie die, die er selbst beauftragt hatte. Hier konnte er nichts ändern.

„Ich gehe essen“, sagte Zapos.

Er riss die Türe auf und rannte hinüber in die Kantine.

Besser er befasste sich nicht länger mit den Träumen, die er verteilte. Er kippte einen Löffel Brokkoli-Risotto auf den tiefen, weißen Teller.

Was ging es ihn schon an, was die Menschen träumten? Er löffelte geröstete Tofuwürfel in seinen Teller, bis kein bisschen Grün vom Brokkoli mehr zu sehen war. Das Fett auf dem Tofu glänzte im goldgelben Licht.

Zapos trug das Tablett mit seinem Essen an einen freien Platz. Er ließ sich auf den harten Kantinenstuhl fallen. Wenn die Regeln nicht gesagt hätten, dass in den gemütlichen Sesseln das Essen verboten war, er hätte es mit hinüber an seinen Lieblingsplatz genommen. Er spießte den ersten Tofuwürfel auf. Revolution. Also wirklich. Als ob das etwas bringen würde. Er kannte die Menschen lange genug. Revolutionen brachten nie etwas. Die wurden ignoriert. Er kaute. Oder sie wurden niedergeschlagen. Der Tofu in seinem Mund schmeckte wie Pappe.

Leise Trippelschritte tapsten über den Tisch.

„Hallo Zapos“, sagte Mino.

Die graue Maus setzte sich direkt vor Zapos Tablett. Die Haare an ihrer spitzen, rosa Nase wackelten. Sie schnupperte.

„Warum hast du nicht mit mir geredet?“, fragte Zapos.

Mino putzte sich mit der Vorderpfote ein Ohr.

„Du warst unterwegs und bist nicht für Änderungen“, sagte Mino.

Eine schwächere Ausrede hatte Zapos schon lange nicht mehr gehört. Jetzt sollte er selbst die Ursache für seine Langeweile sein? Gar noch der Grund dafür? Er schaute Mino aus halbgeöffneten Augen an. Er dachte an all die Abstimmungen, in denen er bereits gesessen und geschlafen hatte. Die waren langweilig und überflüssig. Genau wie er selbst.

„Schon gut. Ich muss los“, sagte Zapos.

Er räumte sein Tablett mit dem vollen Teller ab, nahm seinen Rucksack an der Tür mit und machte sich wieder auf den Weg. Er wollte nicht überflüssig sein.

*

Die Hauswand war genauso nachtgrau und fahl wie in der Nacht davor. Der Rollladen war geschlossen. Die Straßenlaternen brannten zu hell um das Sternenlicht erkennen zu können.

Zapos stand vor dem Fenster und hielt die Traumperle in der Hand.

„Starte eine Umweltrevolution.“

Es war falsch die Menschen über ihre Träume zu manipulieren. Es war falsch gewesen den ersten Auftrag für Anweisungen in den Träumen zu geben. Hätte er es nur gelassen. Sein Magen knurrte. Hätte er nur da Brokkoli-Risotto gegessen. Wollte er sich weiter langweilen, oder wollte er sich der Anweisung widersetzen? Er konnte die Traumperle auf dem Weg in einem Vulkan verschwinden lassen. Niemand würde sie wiederfinden. Aber der Chef würde erfahren, dass die junge Frau wieder keinen Traum bekommen hatte. Den Traum vernichten war wie eine Kündigung.

Unten auf der Straße torkelten grölende Gestalten vorbei. Glas klirrte. Eine Stimme schimpfte.

Der Rollladen vor Zapos wurde hochgezogen.

Zapos trat in der Luft zur Seite. Aus Gewohnheit. Nicht das sie ihn hätte sehen können.

Das Fenster wurde geöffnet. Die junge Frau, die Haare vom Schlaf zerzaust, roch warm und süß, wie die kleinen Babies, mit denen Zapos unterwegs spielte.

„Seid bitte ein bisschen leiser und kehrt die Scherben auf. Man kann sich daran verletzen“, rief die junge Frau zu den Gestalten hinunter.

Gegröle war die Antwort.

Die Traumperle in Zapos Hand wurde warm. Sie reagierte auf die Nähe des Menschen für den sie gemacht war. Eines Menschen, der vor Betrunkenen nicht zurückschreckte. Vielleicht war die Anweisung hier ja doch richtig?

Zapos ließ die Traumperle los und sah wie sie zu der jungen Frau hinüber schwebte. Sie gähnte als die Traumperle sie erreichte. Statt auf die Betrunkenen einzugehen schloss die das Fenster, ließ den Rollladen wieder herunter und ging zurück ins Bett.

Zapos nahm die nächste Perle aus seinem Rucksack und wanderte durch die Luft ein Fenster weiter. Am Ende war es nicht seine Aufgabe zu urteilen. Seine Aufgabe war das Verteilen der Träume.

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